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Der Geist von Temirtau mitten in Berlin
 
Es ist ein kalter Februarnachmittag, doch dessen ungeachtet sind sogar aus anderen Städten Interessierte angereist, die an diesem Tag in Berlin nur ein Ziel haben: von Rose Steinmark etwas über das Deutsche Theater in Temirtau zu erfahren, an dem sie Chefdramaturgin war und das bis heute in seiner Einzigartigkeit für Mitwirkende und Publikum eine Institution geblieben ist.
Eigentlich habe ich es einem Zufall zu verdanken, dass ich schon vorher etwas über dieses legendäre Theater gehört hatte, seine tatsächliche Bedeutung wird mir jedoch erst an diesem Winternachmittag bewusst. Vorgestellt wird Rose Steinmarks Buch „Das Schicksal eines Theaters“, das von Olga Martens herausgegeben wurde. Viele Künstler, die an diesem Theater tätig waren, sind im Saal versammelt - die Schauspieler Katharina Riesling, Alexander Hahn und Jakob Fischer, die Bühnenbildnerin Erika Lust und die Gesangspädagogin Ida Haag, und nach und nach wird deutlich, wie wichtig ihre Arbeit für das Leben der Deutschen in Kasachstan war.
Die nüchternen Fakten sind das Eine: Für dieses Theater wurden 1975 extra deutschsprachige Studenten an der Moskauer Schtschepkin-Theaterhochschule immatrikuliert, die nach ihrem Diplom im Jahre 1980 die erste Besetzung des neu gegründeten Deutschen Theaters bildeten. Seine erste Aufführung fand am 26. Dezember 1980 mit einem Stück von Alexander Reimgen statt, und bereits 1983 gewann das Theater mit der Diplominszenierung „Kabale und Liebe“ von Bulat Atabayev, der später an dieses Theater zurückkehrte und sein Chefregisseur wurde, den Wettbewerb der Sprechtheater der Republik Kasachstan. Es folgten viele Gastspiele und Kontakte zu Theatern in der DDR und der damaligen Bundesrepublik, und 1989 erhielt das Theater seinen neuen Stammsitz in Almaty.
Die andere Seite aber sind die emotionalen Bezüge: Einige der Theaterschaffenden der ersten Generation sind heute hier, um Rose Steinmark wiederzusehen und ihre Erinnerungen mit all jenen zu teilen, die das Theater entweder aus eigenem Erleben oder vom Hörensagen kennen. Vieles kommt dabei zur Sprache, zum Beispiel, wie schwierig es war, Stücke zu finden. Sicher, man konnte auf die deutschen Klassiker zurückgreifen, doch wo sollte man etwas herbekommen, das das Leben der Deutschen in der ehemaligen Sowjetunion widerspiegelte?
Viktor Heinz schuf Abhilfe. Seiner Trilogie „Auf den Wogen der Jahrhunderte“ war es zu verdanken, dass das Schicksal der Russlanddeutschen erstmals auf einer Bühne thematisiert wurde. Wendelin Mangold erinnert sich, dass die Zuschauer bei der sechsstündigen Aufführung der Trilogie in Kökschetau geweint haben. Larissa Schmidt, eine der Zuschauerinnen von damals, erzählt heute, dass ihr erster, von eigenen Erfahrungen geprägter Gedanke dabei war: „Das darf man doch nicht sagen!“
Alexander Hahn erzählt vom Stück „Hab oft im Kreise der Lieben“, in dem eine Dorfhochzeit dargestellt wurde. Hierbei ging es jedoch weniger um die Hochzeit selbst als um die Geschichten, die sich die Nachbarn sozusagen hinter vorgehaltener Hand an der Scheune erzählten. Das Stück war im Dialekt geschrieben, und - damit die Geräusche authentischer wirkten - gab es hinter der Bühne sogar Küken und Zwerghühner, die ab und zu gackerten.
Doch auch von den Steinen ist die Rede, die dem Theater immer wieder in den Weg gelegt wurden - angefangen davon, dass es bewusst in einer eher entlegeneren Stadt angesiedelt wurde, weil man meinte, so würde sich das Projekt schnell totlaufen, bis hin zur ständigen Überwachung durch den KGB, der selbst die Typen der Theaterschreibmaschine von allen anderen zu unterscheiden wusste.
Die Akteure dieses Theaters meisterten sämtliche Schwierigkeiten - sie fuhren als „Theater auf Rädern“ durch die Lande, um auch möglichst viele Dorfbewohner mit ihren Stücken zu erreichen, und ließen immer diejenigen babysitten, die gerade keine Proben hatten, damit die Kinder versorgt waren. Einige von ihnen sind im Saal und erinnern sich dankbar an ihre Kindheit hinter den Kulissen. Sie schreckten nicht einmal davor zurück, trotz staatlicher Sanktionen Dokumente über die Geschichte der Russlanddeutschen in Umlauf zu bringen und in den Jahren der Perestroika Festivals der deutschen Kultur zu organisieren. All das dankt ihnen ihr Publikum bis heute.
Genau dieser Geist von Temirtau ist es, der dank Rose Steinmark und ihrem Buch an diesem Samstagnachmittag spürbar wurde und der so viele dankbare Wegbegleiter in die „Kalkscheune“ gelockt hat. Vielleicht muss man dabei gewesen sein, um ihn in all seiner Tragweite nachempfinden zu können, doch auch ich als Außenstehende kann fühlen, dass dieses Theater etwas ganz Besonderes war, und freue mich nun von Herzen auf die Lektüre des Buches.
Carola Juerchott
 
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