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Раздел газеты «НОВЫЕ ЗЕМЛЯКИ» -
Литературное приложение
 
Die Literatur der Russlanddeutschen
 
...WEIT ENTFERNT VOM ENTSCHEIDENDEN DURCHBRUCH
Skizzen zur russlanddeutschen Literatur
 
Fortsetzung von „NS“, N 6-7/2018
 
Von 1981 bis 1990 hatten die russlanddeutschen Autoren die Möglichkeit, ihre Werke nicht nur in den deutschsprachigen Zeitungen, sondern vor allem auch im Literaturalmanach „Heimatliche Weiten“ für Prosa, Poesie und Publizistik (erschien zweimal jährlich) zu veröffentlichen, darunter auch großformatige Werke in vollständiger Fassung. Die neunzehn Hefte der „Heimatlichen Weiten“, die in zehn Jahren herausgegeben wurden, vermitteln eine umfassende Vorstellung von der aktivsten und und am weitesten entwickelten Periode der russlanddeutschen Nachkriegsliteratur. Im Almanach wurde auch versucht, eine gewisse Inventur der russlanddeutschen Literatur und ihrer verschiedenen Perioden vorzunehmen.
Trotz einer gewissen positiven Bilanz beschreibt Wormsbecher die Existenz der deutschen Literatur in der Sowjetunion als „Freiheit in Unfreiheit“. Während die Sowjetmacht neue Voraussetzungen für die Entwicklung einer neuen Literatur schuf, vernichtete sie gleichzeitig die notwendigen Voraussetzungen für die Etablierung einer vollwertigen Literatur. „Das entscheidende Problem unserer Literatur gründete in der ungerechten Lage des Volkes. Und in dieser Situation konnte unsere Volksgruppe keine andere Literatur und keine bedeutenden Talente hervorbringen. Weil ein Talent vor allem die Möglichkeit zur freien Selbstverwirklichung und Potentialentwicklung braucht. Diese Möglichkeit hatte unsere Literatur nicht“, so Wormsbecher.
Das nationale Leben der Russlanddeutschen in ihrer ursprünglichen Form war mit dem folgeschweren Deportationserlass vom 28. August 1941 abrupt beendet. Durch die Auflösung aller kulturellen Institutionen in den Herkunftsgebieten, die Sondersiedlungsbedingungen unter der Aufsicht der Kommandantur, die Verstreuung über Sibirien, Kasachstan und Mittelasien, das Studien- und Berufsverbot wurde die Grundlage für eine eigenständige Entwicklung der Deutschen unwiederbringlich zerstört. Bestandteile der neuen Lebensform der Deutschen waren Deportation, Trudarmee, das Leben unter den Bedingungen der Kommandantur, keine eigene Staatlichkeit, keine Gleichberechtigung mit anderen Völkern des Landes, die Diskriminierung unter nationalen Gesichtspunkten, die totale Verstreuung, keine nationalen Schulen und Kulturstätten. Über all diese neuen Inhalte des „nationalen Lebens“ zu schreiben, war verboten. Ein anderes „nationales Leben“ hatten die Russlanddeutschen nicht.
Kein Wunder, dass in den veröffentlichten zeitgenössischen Werken die Deutschen nur ein einziges nationales Merkmal hatten: einen deutschen Namen, manchmal noch einen deutschen Vornamen – wenn die handelnden Personen der älteren Generation angehörten. Auch die typischen deutschen Charaktereigenschaften wie Fleiß, Tüchtigkeit oder Ordnungsliebe durften die Helden sehr wohl behalten.
Wie umstritten die „russlanddeutsche Literatur“ der Nachkriegszeit in der Sowjetunion war und bleibt – sowohl aus eigener (russlanddeutscher) Betrachtung als auch aus der Sicht der Kritiker aus dem Westen oder dem postsowjetischen Russland, lässt sich an den nachstehenden Zitaten verfolgen.
Die russlanddeutsche Literatur der Nachkriegszeit habe schon kraft ihrer Form eine deutsche Scheinwelt, „eine fromme Lüge“ gezaubert, „wir hatten bequeme ideologische Krücken“, so ist bei Johann Warkentin (1999) nachzulesen.
„…Literarische Selbständigkeit haben sie nie erreicht, im Gegenteil. Der ideologischen Fixierung von Literatur ist man fast beflissen gefolgt. Künstlerischer Widerstand und Erwiderung sind darum ausgeblieben. Opportunität führte die Feder der meisten Literaten…“, schrieb 1991 der westdeutsche Literaturwissenschaftler Alexander Ritter.
„Die russlanddeutsche Literatur ist ein Produkt des zerrissenen Lebens der Russlanddeutschen, wo Traum und Wirklichkeit niemals übereinstimmten... Es gäbe keine russlanddeutsche Literatur, wäre sie nicht mit der Macht konform gegangen“, hielt die Dichterin Rosa Pflug in einem Interview 2001 dagegen.
Die thematische und weltanschauliche Verpflichtung der Autoren, der sowjetischen Wirklichkeit und der kommunistischen Gesinnung sowie dem sozialistischen Realismus und dem Internationalismus treu zu dienen, galt nicht nur in dem von der Zensur zugelassenen öffentlichen Existenzbereich, sondern wurde auch zur Steuerung des Selbstverständnisses. „Die Funktionalisierung der literarischen Texte zu permanenten Loyalitätsbeweisen ließ Sprache, Form und Themen zu ideologischen Gebrauchsmustern degradieren und prägte eine Generation von unmündigen Autoren, Lesern und Kritikern“, schlussfolgerte die Literaturwissenschaftlerin Lubow Kirjuchina.
„Die sowjetdeutsche Literatur aber ist eine Literatur, die von reinem Enthusiasmus lebt. Bei jedem Schreibenden handelt es sich um eine Art Aktivisten mit in die Zukunft gerichtetem Bewusstsein, der glaubt, er könne das schwelende Feuer noch solange bewahren, bis für eine gedeihliche Entwicklung dieser Literatur alle Voraussetzungen geschaffen sind“, formulierte Waldemar Weber 1990 bei der Tagung „Sowjetdeutsche Literatur heute“ in Berlin.
„Die fatale Lage, in die die russlanddeutsche Volksgruppe infolge des deutsch-sowjetischen Krieges geraten war, sollte auch ihre Literatur zu einer Fiktion verkümmern lassen, hat sie aber in ein bewundernswertes Phänomen verwandelt“, stellte die Moskauer Literaturwissenschaftlerin Elena Seifert in einem Interview 2010 heraus.
„Die Existenz der sowjetdeutschen Literatur nach siebenundvierzig Jahren einer überaus schwierigen, ungleichberechtigten Stellung des sowjetdeutschen Volkes stellt an sich auch ihre höchste Leistung dar“, formulierte der Moskauer Schriftsteller Hugo Wormsbecher in seiner Abhandlung „Mit dem Volk durch alle Härten gegangen. Notizen über die sowjetdeutsche Literatur“ 1989.
Fortsetzung folgt
Nina Paulsen
 
Fotos:
1. Seminar russlanddeutscher Autoren in Moskau, 1976. Literaten aus der Altairegion mit Andreas Saks, Dominik Hollmann und Rudolf Jacquemien, die mehrfach bei den Dichterlesungen im Altai zu Gast waren. V.l.n.r.: Andreas Saks, Edmund Günther, Dominik Hollmann, Rudolf Jacquemien, Andreas Kramer, Woldemar Herdt, Waldemar Spaar. Foto: Archive Hollmann/Spaar/Paulsen
 
2. Seminar russlanddeutscher Autoren in Moskau, 1976. Gruppe der Literaten aus Kasachstan. Sitzen (v.l.n.r.): Ernst Kontschak, Rosa Pflug, Elsa Ulmer, Nelly Wacker; Stehen (v.l.n.r.): Willibald Feist, (?), Herold Belger, (?), Reinhold Leis, Alexander Hasselbach, Viktor Heinz, Wendelin Mangold. Foto: Archiv Hollmann/Rudolf Bender
 
3. Nina Paulsen
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