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Раздел газеты «НОВЫЕ ЗЕМЛЯКИ» -
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Natalja Ostankov, geborene Fischer, wurde 1990 in Köln geboren, schrieb mit 19 Jahren Abitur und studiert Medizin. Noch während des Studiums heiratete sie, bekam zwei Kinder und lebt nun glücklich mit ihrer Familie in München.
Neben dem Medizinstudium beschäftigt sie sich gerne mit Kindern, Erziehung und dem Schreiben. Sie führt einen Blog (natfusch.com) und arbeitet an einer Website, die über Gesundheitsirrtümer aufklärt (wasistdran.com).
 
Wer wir sind
 
An meinem ersten Schultag verriet meine Lehrerin mir meinen Namen. Zur Anwesenheitskontrolle rief sie alle Schüler beim Vornamen auf. Als sich bei “Natalja” niemand meldete, fragte sie nach Fräulein Fischer. Ich hob vorsichtig die Hand – das musste das dann wohl ich sein. Dabei dachte ich immer, ich hieße Natascha. Um meine Verwirrung noch zu verstärken, zeigte meine Lehrerin mir, dass meine eigene Mutter auf alle meine Hefte “Natalja Fischer” geschrieben hatte.
Für mich war das der eindeutige Beweis dafür, dass Lehrer immer recht haben, auch wenn man sich noch so sicher ist…
Später erklärte mir meine Mutter, dass Natascha der Kosename von Natalja ist, so wie Kathi von Katharina. Weil meine Eltern mich immer Natascha nannten, hatte ich keine Ahnung von der Existenz einer Natalja – bis zu meinem ersten Schultag.
Das Natalja-Natascha-Dilemma verfolgte mich mein Leben lang. Da ich nur von Lehrern Natalja genannt wurde, hatte dieser Name einen, wie soll ich sagen, unangenehmen Touch. War ich irgendwo neu, stellte ich mich lieber mit Natascha vor. Wenn dann offizielle Listen durchgegangen wurden, fragte man mich jedes Mal: “Wie heißt du eigentlich – Natalja oder Natascha?”
 
Wer bin ich?
Wir sind Deutsche aus Russland. Nicht deutsch, nicht russisch. Weder Fisch noch Fleisch.
Ich bin in Deutschland geboren und beherrschte bis zum Abitur nur ein paar russische Wörter – hallo, tschüss, danke, bitte - das Wichtigste eben. Meine Eltern sind in der Blüte ihrer Pubertät mit ihren Eltern nach Deutschland ausgewandert. Eher eingewandert, nein, eher zurückgewandert – migriert eben, wie man heute so schön politisch korrekt und richtungslos sagt. Denn ihre Vorfahren stammen aus deutschen Siedlungen am Schwarzen Meer und an der Wolga. Dort gab es bis zum Kriegsbeginn Dörfer mit Namen wie Marienheim, Mannheim oder Straßburg (das Original-Straßburg war zur Zeit der Namensgebung kurz mal deutsch).
Ganz weit zurück auf den Schienen der Geschichte entstanden diese Siedlungen durch Katharina die Große, die mit dem russischen Zaren Peter III. verheiratet war und Deutsche als „Gastarbeiter“ nach Russland holte.
Während des 2. Weltkriegs wurden die Russlanddeutschen mal nach Deutschland, mal nach Russland und mal ins Exil ins tiefste Sibirien deportiert. Wie man sich vorstellen kann, bargen diese Jahre unzählige verworrene Schicksale. Das meiner Vorfahren hat meine Oma in ihrer Trilogie „In den Fängen der Zeit“ festgehalten. Und so wie diese Bücher auf Russisch und auf Deutsch verfasst sind, fühlen wir uns in beiden Kulturen heimisch – könnte man denken. Oder auch in beiden fremd. Für meine deutschen Freunde bin ich die Russin, für meine russischen Freunde bin ich die Deutsche.
Als Angehörige der Generation, die schon in Deutschland geboren wurde, hatte ich lange Probleme, mich zuzuordnen. Ich fühlte mich nie deutsch, man könnte sogar sagen, ich wehrte mich gegen meinen deutschen Teil. Aber um mich russisch zu fühlen, kannte ich die “geheimnisvolle russische Seele” zu wenig – ich war ja nicht einmal der russischen Sprache mächtig und bis zu meinem 14. Lebensjahr nie in Russland gewesen!
Dieses “Zwischen-den-Stühlen-Gefühl” trieb mich dazu, Russisch zu lernen. Kaum hatte ich das Abitur in der Tasche und somit die Freiheit erlangt, mich ausführlich mit dem zu beschäftigen, was für mich wichtig war, legte ich los. Erst machte ich einen Russisch-Crashkurs in Deutschland, und dann wagte ich mich eines Januars ins eiskalte Moskau, um dort sechs Wochen lang russisch zu sprechen, zu leben, zu essen und die Mentalität zu schnuppern.
Ich wohnte in einer Gastfamilie und genoss die russische Gastfreundschaft in vollen Zügen. Was mich am meisten beeindruckte, war, dass ich nicht das Gefühl hatte, mich ständig erklären oder rechtfertigen zu müssen (wie auch, mit meinen rudimentären Sprachkenntnissen?!). Ich fühlte mich wohlwollend angenommen und konnte einfach ich sein, zum ersten Mal in meinem Leben.
 
Gleichzeitig war vieles so fremd!
Moskau ist eine wahnsinnige Stadt, die niemals schläft. Läden haben täglich rund um die Uhr auf, U-Bahn-Stationen sind zu jeder Tageszeit so überfüllt, dass man kaum atmen kann. Ich konnte mich hier beim besten Willen nicht richtig zu Hause fühlen und hatte schmerzhaftes Heimweh.
Wieder zu Hause wurde mir klar: Ich bin nicht russisch. Das sind wir alle nicht, meine ganze Familie nicht. Selbst mein Opa, kein Deutscher aus Russland, sondern ein aus dem tiefsten Ural stammender Russe, fühlt sich hierzulande pudelwohl und verfügt über die schönsten deutschen Eigenschaften, die ein waschechter Russe nur schwer erlernt: Pünktlichkeit und Ordnungsliebe sind nur zwei Beispiele.
Seitdem ich in Moskau gewesen war und nun Russisch sprechen konnte, fiel es mir paradoxerweise leichter, meine deutsche Seite anzunehmen. Ich fing an, es mir zwischen den beiden Stühlen bequem zu machen. Dabei stütze ich mich sowohl am deutschen als auch am russischen Stuhlbein ab, flechte sie beide in mein Nest ein. Ohne mich nur auf einen der Stühle setzen zu müssen.
In Deutschland verfestigte ich meine Russischkenntnisse im sogenannten Sprachtandem. Hierbei treffen sich zwei Leute, die jeweils die Muttersprache des anderen lernen wollen, und unterhalten sich die Hälfte der Zeit in der einen und die andere Hälfte in der anderen Sprache. Mein Tandempartner kam von der Krim. Nach ein paar Treffen wurde klar: Das war kein Sprachtandem, es war ein Lebenstandem – wir heirateten und haben mittlerweile zwei Kinder, die zweisprachig aufwachsen.
Bei der Heirat habe ich den Nachnamen meines Mannes angenommen. Ich heiße nun Natalja Ostankov, nicht Natalja OstankovA, wie in Russland üblich. Um ehrlich zu sein, habe ich es aus einem ganz trivialen Grund so gemacht: Ich wollte den deutschen ordnungsliebenden Postboten nicht verwirren, wenn auf unserem Briefkasten “Ostankov” steht, auf dem Brief aber “OstankovA”.
Doch aus der Sicht der Identitätskrise könnte man sagen: Mein Name spiegelt meine russlanddeutsche Herkunft wieder, indem er für Deutsche russisch und für Russen deutsch klingt.
Übrigens geht es mir nicht allein so. Sowohl mein Bruder als auch meine Cousine teilen mein „Schicksal“: Wir alle sind deutschsprachig hier in Deutschland aufgewachsen, haben jedoch während des Studiums Russisch gelernt.
Und interessanterweise hat mein Bruder kürzlich eine liebenswerte junge Russin geheiratet, die er beim Sprachtandem kennengelernt hat und die aus einer Stadt im Ural stammt, in der meine Oma früher einmal an der pädagogischen Hochschule gelehrt hat!
Das kann doch kein Zufall sein, oder?
Foto: Natalja Ostankov
 
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